Das Kleine Schwarze, ein rosa Tutu oder ein weißes T-Shirt: Serien prägen unsere Modevorstellungen, spiegeln Klassenfragen und setzen Trends. Was sagen sie über unseren Zeitgeist aus?
Als "The Bear" 2022 erschien, war die Serie nicht nur ein Durchbruch für ihren Hauptdarsteller Jeremy Allen White - sondern auch für das schlichte weiße T-Shirt, das er in seiner Rolle als Carmy, einem Spitzenkoch in der Sinnkrise, trug. Das Modell der schwäbischen Manufaktur Merz b. Schwanen war kurz nach Erscheinen ausverkauft.
Der Hype zeigt, wie wirkmächtig Serienformate heute über Trends bestimmen können. Durch zahlreiche Erfolgsserien wurden Kleidungsstücke zu Bestsellern oder Kostümästhetiken in Modetrends übertragen. An manchen Looks lässt sich aber auch ablesen, wie sich Zeitgeist verändert.
Gegenwärtige Mode
Dass Mode in Serien auch Kommentar zu gegenwärtigen Verhältnissen ist, zeigte zuletzt "Succession" (2018): Die Serie handelt von einem Medienmogul und seiner Familie, die sich in unauffälliger und zugleich sehr teurer Mode kleidet. Zipper-Pulli und Sneaker für Tausende Euros: "Quiet Luxury" (also: "stiller Luxus") wurde diese Ästhetik daraufhin benannt. Sie verweist darauf, wie unscheinbar Luxus heute aussieht - und wie weit verbreitet er ist.
Das weiße T-Shirt von Carmy, dem Mann in der Küche in "The Bear", wirkt zwar schlicht, fast nebensächlich - und zeigt doch ein neues Bild von Männlichkeit. Mit seinen muskulösen Oberarmen steht er in der Tradition eines rebellischen James Dean - er kocht, schwitzt, schreit. Carmy kämpft mit seiner Vergangenheit, Verlusten und Ängsten. Er wird zum fürsorglichen Mann. Und das Shirt zum Ausdruck eines nahbaren Charakters.
- Helen Roth / SWR Culture