In unserer Reihe über DEUTSCHE MODE geht es diesmal um MÄNNERMODE abseits des Mainstreams. Ein Überblick.
Merz b. Schwanen steht für ehrliches Handwerk und erobert so selbst Hollywood von der Schwäbischen Alb aus.
Merz b. Schwanen
Hatten Sie jemals ein T-Shirt ohne Seitennähte in der Hand? Wenn ja, stammt es mit hoher Wahrscheinlichkeit von Merz b. Schwanen. Denn die Art und Weise, wie das deutsche Label produziert, ist heute nahezu einzigartig: Auf museumsreifen Maschinen, von denen weltweit nur noch wenige existieren, entsteht aus vier zusammenlaufenden Fäden in etwa 30 Minuten der schlauchförmige Stoff für ein einziges T-Shirt – während Standardware aus über 100 Fäden in weniger als zehn Minuten produziert wird.
„Jede Nadelposition und jede Einstellung wird von Hand vorgenommen“, erklärt das Designer:innenpaar Gitta und Peter Plotnicki. Aus Effizienzgründen hat sich die Textilindustrie längst von dieser Technik verabschiedet; dabei sitzen die so produzierten Kleidungsstücke besser, sind komfortabler und formstabiler.
Dass die Maschinen auf der Schwäbischen Alb weiterlaufen, ist den beiden Designer:innen zu verdanken. Als sie 2010 auf dem Berliner Mauerpark-Flohmarkt ein rund 90 Jahre altes Henley von Merz b. Schwanen entdeckten, waren sie so begeistert von dessen Qualität, dass sie seine Spur bis zu einer stillgelegten Fabrik in Albstadt zurückverfolgten – wo sie 32 historische Rundstrickmaschinen fanden und sich die Markenrechte sicherten. Heute betreibt das Label Stores in Berlin und New York und eröffnet im Mai 2026 einen weiteren in Los Angeles.
- Nils Doose / Vogue Germany